Entstehung und Baugeschichte
Erstmals namentlich erwähnt wurde die Kirche St. Michael in Weißenbronn bereits im 14. Jahrhundert. Aus Aufzeichnungen des Pfarrers Johann Jakob Stettner aus dem 17. Jahrhundert geht hervor, dass die hiesige Kirche am 20. Oktober 1337 durch ein Breve (päpstlicher Erlass) des Papstes Benedikt XII. dem Erzengel Michael geweiht wurde. Ausgestellt wurde diese Urkunde in Avignon, das damals der Sitz des Papstes in der sogenannten „Babylonischen Gefangenschaft“ war. Da auf dem Turm eine Glocke aus dem Jahr 1295 hängt (damit eine der ältesten Glocken in der Gegend), liegt die Vermutung nahe, dass es hier vor unserer St. Michaelskirche schon ein anderes Gotteshaus gab, das wohl zum Bistum Eichstätt gehörte. Oder unsere Kirche ist doch älter - die Inschrift auf der Glocke lässt auch diese Annahme zu.
Die Kirche St. Michael wurde im frühgotischen Baustil erbaut, wie zu dieser Zeit z.B. der Magdeburger Dom, die Marienkirche in Lübeck oder die Heiliggeistkirche in Heidelberg. Im ältesten Teil der Kirche, dem Turm, sind die typischen gedrungenen Spitzbögen an der Tür zur Sakristei und im Altarraum gut zu erkennen. Damals war die Kirche weitaus kleiner: den gesamten hinteren Teil mit dem Orgelraum und den Emporen gab es noch nicht, was sicher auch den beschwerlichen Bauarbeiten geschuldet war – immerhin musste viel Erde bewegt werden, um eine künstliche ebene Fläche zu bekommen, die nach allen vier Seiten durch hohe Mauern abzustützen war.
Grundherr von Weißenbronn und damit auch der Kirche St. Michael war das Zisterzienserkloster in Heilsbronn. Das Kloster hatte das Dorf unter seiner Rechtsprechung und bestimmte den Pfarrer. Der wiederum erhielt Abgaben von den Besitzern der Höfe des Ortes.
Zerstörungen und Kämpfe im Rahmen der Reformation oder des Bauernkrieges gab es hier nicht, sicher auch, weil das Kloster ein „milder“ Grundherr war und im Notfall Pachtzinsen stundete bzw. erließ. Wann im Rahmen der Reformation unsere Kirche in eine evangelische umgewandelt wurde, kann man aus der Verbindung zum Heilsbronner Münster schließen: dieses wurde bereits ab 1524 protestantisch, etwa in dieser Zeit oder wenig später vermutlich dann auch St. Michael.
Auch im 30-jährigen Krieg gab es in Weißenbronn bzw. seiner Kirche keine wesentlichen Zerstörungen, nur ein erhöhtes Arbeitsaufkommen für den damaligen Pfarrer, da Orte wie Roßtal, Neuendettelsau, Windsbach usw. keinen Pfarrer mehr hatten. Aus der Zeit des 30-jährigen Krieges stammt die Tradition des 12-Uhr–Läutens, das es bis heute gibt. Es heißt „Friedensläuten“. Zu der oben schon erwähnten Glocke aus dem Jahr 1295 kamen im Laufe der Jahrhunderte zwei weitere Glocken hinzu. Sie mußten in den beiden Weltkriegen abgeliefert werden und wurden - zuletzt 1951 - wieder ersetzt.
Ab 1501 gab es große Umbauten in der Kirche: so wurde der waagerechte Bogen des Chors erhöht und das Totenhaus, das die exhumierten Gebeine Verstorbener aufnahm („Beinhaus“), hinter die Kirche verlegt. Ebenfalls im 16. Jahrhundert wurde eine Altartafel für den Choraltar angefertigt, vermutlich von Peter Strauss aus Nördlingen (demselben Meister, der die Schnitzbilder auf dem Peter- und Paul- Altar im Münster in Heilsbronn hergestellt hatte). Doch sie wurde um die Mitte des 19. Jahrhunderts an einen Antiquitätenhändler verkauft – dem damaligen Pfarrer bzw. seinem Vikar war sie zu „katholisch“. Das jetzige Altarkreuz könnte noch von dem damaligen Altaraufbau stammen, möglicherweise ist es sogar älter.
Heute eine Besonderheit für eine evangelische Kirche und sicher aus vorreformatorischer Zeit ist, dass es zwei Altäre gegeben hat. Einer von ihnen stand an der Stelle, an der sich jetzt die Kanzel befindet und musste dieser 1716 weichen. Eine verzierte Aussparung in der Mauer im Altarraum auf der linken Seite wird ebenfalls vor der Reformation angelegt und als Tabernakel zur Aufbewahrung der geweihten Hostien genutzt worden sein. Etwas rätselhaft sind die 11 Weihekreuze mit (inzwischen elektrischen) Apostelleuchtern davor. Es müßten - entsprechend der Anzahl der Apostel - 12 sein, eins ist wohl verlorengegangen. Man findet Weihekreuze mit ihren charakteristischen gebogenen Formen eigentlich nur in Kirchen, die katholisch sind oder waren. Letzteres trifft ja auf unsere Kirche zu, aber da die Weihekreuze das gesamte Kirchenschiff schmücken, liegt nahe, dass sie auch nach der Vergrößerung der Kirche im 18. Jahrhundert (s.u.) beibehalten und vermutlich einige vom Altarraum in den neuen Kirchenbereich verteilt wurden - eher ungewöhnlich für eine evangelische Kirche.
Die barocke Kanzel stammt aus dem Jahr 1688 und wurde angefertigt von dem Schreiner Johannes Troester, der zugleich Mesner und Schulmeister war. Die jetzige Farbgebung erhielt sie Anfang der 70-er Jahre des vorigen Jahrhunderts (vorher war sie in unterschiedlichen Brauntönen gehalten). Der Schalldeckel mit der Figur des auferstandenen Christus wurde 1722 von dem Bildhauer Johann Gogele im Rokokostil geschnitzt. Die "Heilige Familie" neben dem farbigen Südfenster stammt vermutlich auch aus dieser Zeit, leider konnten dazu bisher noch keine genauen Angaben gefunden werden.
Im Jahr 1794 stiftete der Hafnermeister (= Hersteller von Öfen und Feuerstellen) Joh. Michael Fischer den Taufstein.
1711 wurde ein drittes Turmgeschoss erbaut, 1748 die Turmuhr angebracht. Im Jahr 1798 wurde die Turmspitze abgestumpft, damit erhielt der Kirchturm seine heutige Form. Bei diesen Arbeiten wurde allerdings die erst einige Jahre zuvor angebaute Sakristei beschädigt und musste erneuert werden zu ihrer heutigen Form.
1716 erfolgte ein umfassender Kirchenumbau im barocken Stil. Das Kirchenschiff wurde verlängert, erhöht und neu eingewölbt. Hinzu kam der Einbau von zwei Emporen und Fenstervergrößerungen sowie weitere Ausstattungselemente (wobei auch Ziegel und Steine der verfallenen St.-Stefans-Kirche in Wollersdorf verbaut wurden).
Eine Orgel wurde 1740 von dem Orgelmacher Johann Christoph Weigel fertig gestellt, evtl. gab es aber auch schon vorher eine Orgel. Mehrfach wurden weitere Orgeln eingebaut, die heutige im Jahr 1996. Erbaut wurde sie (wie auch die Orgel im Heilsbronner Münster) vom Orgelbaumeister Lutz in Feuchtwangen. Sie befindet sich auf der zweiten Empore und besitzt 2 Manuale sowie 14 Register.
1738 wurde ein Pfarrhaus errichtet, in das ebenfalls Steine und Ziegel der Kirchenruine in Wollersdorf verbaut wurden. Der Dachstuhl dieses Pfarrhaus steht heute unter Denkmalschutz.
Weitere größere Kirchenrenovierungen gab es 1865, 1911 und von 1970 bis 1972.
Aktuell laufen ebenfalls Renovierungsarbeiten: zunächst am Kirchturm einschliesslich der Uhr sowie am Dach, ab 2026 geht es mit der Innenrenovierung der Kirche weiter.
Vasa Sacra und Ausstattung unserer Kirche
Das älteste Kirchengerät ist ein Abendmahlskelch aus dem Jahr 1639, hergestellt von einem unbekannten Nürnberger Meister und gestiftet vom damaligen Pfarrer als Dank für seine Errettung in den Wirren des 30-jährigen Krieges. Nur wenig jünger sind eine Taufkanne aus dem Jahr 1656 sowie Krankenkommunionsgefäße aus dem Jahr 1693. Im 18.Jahrhundert kamen eine Abendmahlskanne sowie ein weiterer Kelch und eine Patene (liturgisches Gefäß, das bei der Gabenbereitung verwendet wird) dazu.
Auf dem Altar befinden sich heute 4 Leuchter, nur zwei davon sind alt. Ursprünglich gab es mehr, im 2. Weltkrieg mussten aber 9 Leuchter abgeliefert werden.
Zur Ausstattung der Kirche gehören auch 3 Vortragekreuze, wobei heute bei Bestattungen nur das jüngste aus den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts vor der Trauergemeinde von einem Konfirmanden getragen wird. Die beiden anderen sind ein „Männerkreuz“ und ein „Frauenkreuz“ aus dem 19. Jahrhundert bzw. älter. Das „Frauenkreuz“ zeigt auf der Rückseite eine seltene Darstellung: eine Schlange am Kreuz (bezugnehmend auf die eherne Schlange aus dem 4. Buch Mose).
Eine weitere Besonderheit im Kirchenbesitz ist die „Totenkrone“, die hier wohl bis zum Jahr 1963 verwendet wurde. Es handelt sich um eine metallene Krone (ursprünglich gebunden aus lebenden Zweigen, ab 1733 aber auf Grund eines markgräflichen Edikts aus Kupfer oder Messing hergestellt), die von der Kirche verliehen wurde, um auf dem Weg vom Sterbehaus zum Friedhof den Sarg von Kindern und Unverheirateten zu schmücken. In unserer Kirche gibt es eine Totenkrone aus dem Jahr 1772/73, die in der Werkstatt eines Gürtlers (Metallbildner) in Ansbach hergestellt wurde. Anders als in anderen Gemeinden legte man hier zusätzlich noch einen Kranz aus Buchsbaumzweigen um die Totenkrone.
Das Glasgemälde im Altarraum, das die Auferstehung Jesu Christi zeigt, stammt aus dem Jahr 1891. 1899 wurden die Fenster nochmals vergrößert. Im Jahr 1937 wurde das farbige Glasfenster auf der Südseite des Kirchenschiffs eingebaut, mehrere Konfirmandenjahrgänge hatten es gespendet. Dieses Fenster war dann urplötzlich verschwunden und tauchte erst bei einer Pfarrhausrenovierung als Scherbenhaufen wieder auf. Restauriert und repariert, wurde es in den 90er Jahren in das Südseitenfenster eingesetzt.
Das Lesepult und ein Kerzenständer, auf dem für die aktuellen Konfirmanden und Konfirmandinnen eine Kerze eingesetzt wird, sind moderne Elemente, die das Historische gut ergänzen.
Zuordnung
Ursprünglich war St. Michael eine Filiale von St. Stefan in Wollersdorf, gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde die Gemeinde selbstständig.
Zur Pfarrei St. Michael gehören heute die Orte bzw. Ortsteile Aich (mit einer eigenen Kapelle), Betzmannsdorf, Hammerschmiede, Mausendorf (ab 1545), Mausenmühle (ab 1545), Steinhof (ab 1808), Steinmühle (ab 1808), Trachenhöfstatt (ab 1821), Triebendorf und Weißenbronn.
Früher umfasste die Gemeinde auch die Orte Berghof (bis 1833), Geichsenhof (bis 1834), Birkenhof (bis 1808), Geichsenmühle (bis 1834), Jakobsruh (bis 1897), Moosbach (1545–1603), Neuses bei Windsbach (1545–1603), Reuth (1549–1848), Schönbühl (bis 1833), Watzendorf (1545–1812), Wollersdorf (1500–1812) und Ziegelhütte (bis 1833).
Die Kirche St. Michael der evangelisch - lutherischen Kirchengemeinde Weißenbronn gehört heute zum Dekanat Windsbach.
Quellen:
Chr. und E. Franz: Kirchengemeinde Weißenbronn, Geschichte und Geschichten, Sitten und Gebräuche einer 700 Jahre alten ländlichen Gemeinde
Stadtverwaltung Heilsbronn, Homepage
Wikipedia